Stadt

Stadt

Farbenblind

Langsam gehe ich die vielen Treppen des Hochhauses hinauf. Schon oft war ich hier, habe die Stadt von oben gesehen. Alles in grau.
Ich drücke mich gegen die schwere Eisentür, immer noch mein Tagebuch in der Hand. Die kühle Luft umhüllt mich. Auch wenn ich keine Jacke trage, friere ich nicht. Ich knie mich auf das Glaspodest und meine Arme umschlingen das Tagebuch, in dem ich meine Gedanken und Gefühle beschreibe. In meiner Freizeit bin ich die meiste Zeit hier und schreibe Geschichten. Ich konnte schon immer meine Gedanken besser beschreiben als sie in Worte zu fassen. Geschichten haben ja keine Farbe, sie beschreiben nur welche...
Wie oft stand ich schon hier oben und wollte hinunter springen!Einfach nur frei sein. Aber irgendwie hatte ich auch Glück, ich war nicht blind, ich konnte sehen, nur keine Farben. Und war das schlimm? Es hat mir in manchen Situationen das Leben zur Hölle gemacht, aber warum sollte ich mich deswegen umbringen? Warum sollte ich mich von den Leuten unterkriegen lassen die mich ärgerten?
Ich stehe auf und sehe die untergehende Sonne und die Hochhäuser, die ich mir immer anschaue, wenn ich traurig bin. Irgendwie verstehe ich jetzt, warum ich immer hier her gehe. Ich mag einfach die Höhe und die Weite der Häuser.
Ich schließe die Augen. Wenn ein Wunder passieren würde, könnte ich wohl wieder Farben sehen, wenn ich die Augen öffne. Ich glaube aber, ich brauche das gar nicht mehr. Ich musste nie sehen, um glücklich zu sein. Ich musste nur frei sein. Ich lasse das Tagebuch fallen. Das WAR mein früheres Ich.
Jetzt kommt mein NEUES Ich.
Langsam gehe ich rückwärts, drehe mich um, laufe immer schneller und renne schon fast zur Tür. Ich reiße die Eisentür auf und springe die vielen Treppen hinunter. Als ich unten ankomme atme ich tief durch. Jetzt fängt ein neuer Teil meines Lebens an.

Jetzt weiß ich, was Freiheit bedeutet.

LIEBE!

Von: Maylin Kauer, Klasse 7A3, KGS Rastede

Viel

Viele Gebäude, soweit das Auge reicht, dessen Dächer und Antennen bestimmt schon die Wolken kitzeln.
So hoch, dass auf ihren Dächern im November ein aufdringlicher Wind pfeift und im August eine Briese sanft deinen Kopf umwickelt.
Das Bellen von Hunden und Geschrei von Kindern hallt zwischen mächtigen Beton-Wänden, die scheinbar unaufhörlich emporwachsen. Mit dem Kopf im Nacken und Augen auf den wolkenbedeckten Himmel gerichtet, während Gedanken verfliegen, wie der Rauch, der aus den Zigaretten qualmt.
Gebäude mit unzähligen Fenstern und Türen und dahinter viele Menschen mit ihren Geschichten, jede eine andere und du wirst nie die Zeit haben sie alle zu hören.
Wie ein offensichtliches Geheimnis und du steckst mittendrin. Der gleiche Ort, aber nicht der gleiche Weg.
Eng und klein, doch trotzdem so massiv und gewaltig, dass es dir gar den Atem verschlägt.
Selbst wenn sich der Nebel wie eine schwere Decke über die grauen Klötze legt, ist jede Unruhe deutlich spürbar und unerkennbare Gestalten bewandern die Straßen, die schnell wieder hinter dem weißen Vorhang verschwinden.
Manchmal, wenn das Sonnenlicht leuchtet, siehst du bunte Gesichter in wenig Farbe. Sie ziehen schnell an dir vorbei und schenken dir ein Lächeln, wenn sie nicht grad in ihrer eigenen Geschichte vertieft sind.
So viele Eindrücke, die augenblicklich wieder verschwinden.
Die einzelne Pflanze, die von einem Balkon hängt und zwei überfüllte Mülleimer, die von Fliegen erobert wurden, wie die anderen auch. Generationen, die hier aufgewachsen sind und ein einziger Spielplatz, der trotz der kaputten Schaukel gut besucht ist.
Jemand hat seine Mütze verloren und trotzdem gehst du weiter und jeder andere auch.
Ein geklautes Fahrrad wird verscherbelt und die Nachrichten von heute hast du morgen schon wieder vergessen.

Von: Lena Sibbersen, Klasse Q1, Oberschule an der Egge

Ich werde dir etwas über die Stadt erzählen, in der sich hinter jedem Fenster eine eigene Geschichte verbirgt. Die Stadt, die zuerst einen sicheren Ort für die Menschen darstellte, die voller Freude und Menschen gefüllt war, obwohl in dieser die Armut herrschte. Jedoch genau an diesen einen Tag, wendete sich das Leben hunderter Menschen...

Hinter einem der Fenster verbirgt sich meine Geschichte, eines 15 Jahre alten Mädchens, welches eines Tages alleine nichtsahnend am Esstisch saß. Als ich plötzlich Sirenen wahrnahm und aus dem Fenster blickte, schaute ich auf Massen von Menschen herab, die aus ihren Häusern gedrängt wurden. Ich sah, wie sie sich wehrten, versuchten zu fliehen, Plakate mit der Schrift „Jetzt übernehmen wir die Macht“ und hörte Schüsse. Wie paralysiert stand ich da, ich konnte mich nicht mehr bewegen, so als wären meine Füße zu Stein geworden. Als ich wieder zu mir kam, lief ich so schnell wie möglich, um meine Mutter und meine zwei Geschwister zu finden und mit ihnen zu fliehen. Doch sie waren nicht aufzufinden, sie waren spurlos verschwunden. Nachdem ich tiefe Stimmen, schwere Schritte und Gelächter aus dem Treppenflur wahrnahm, hörte ich meinen eigenen Herzschlag, bemerkte das Zittern an meinem gesamten Körper und spürte, wie mir die Luft ausging. Ich war ganz alleine auf mich gestellt. Erinnern tat ich mich an einen bestimmten Raum, der sich im Esszimmer befand und begab mich in ihm. In der Hoffnung, dass sie mich nicht entdecken würden. Jede einzelne Sekunde, in der sie sich in unserer Wohnung befanden, habe ich mit meinem letztem Atemzug gerechnet. Mein Leben war nie besonders lebenswert. Oft spielte ich mit dem Gedanken, diese Welt zu verlassen. Doch ausgerechnet in diesem Moment; Ja, wollte ich leben. Ich hörte die lauten Schritte der Männer, die über mir standen. Sie randalierten in der Wohnung für eine ganze Weile. Als sie die Wohnung verließen, öffnete ich die Luke. Daraufhin erblickte ich Licht und das Gesicht eines fremden Mannes.

Von: Madline Neise, Klasse 13, Schulzentrum Walle

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