Nachruf für Doris Böttcher
Einige Tage vor Weihnachten ist Doris Böttcher nach kurzer, schwerer Krankheit eingeschlafen, um nicht wieder aufzuwachen. Ein friedliches Ende eines durchaus kämpferischen Lebens.
Kennengelernt haben wir uns in einem besetzten Industriegebäude in Hemelingen, das wir zur Kulturfabrik erklärten. Später wurde für Dich Deine Arbeit im Personalrat der Stadtbibliothek sinnstiftend – ebenso wie Dein Engagement für die Textilarbeiterinnen in Kambodscha. Kultur war Dein Leben, vor allem die Literatur. Von Deinen unzähligen Reisen brachtest Du klein- und großformatige Schwarz-Weiß-Fotografien mit, die eine erstaunliche Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen – vielleicht als Gegenpol zu Deinem unsteten Leben.
Gemeinsam erfanden wir das Kulturjogging: Sport nicht um seiner selbst willen, sondern als Mittel, Zeit sinnvoll zu nutzen. Beim Laufen entlang der Weser sprachen wir über kulturelle Themen, diskutierten und stritten. Mitunter atemlos, manchmal bis an die Schmerzgrenze – und darüber hinaus.
Die Besuche der Frankfurter Buchmesse standen über Jahre fest in Deinem Kalender. Dafür hast Du Dich immer besonders schick gemacht. Später wurde die Fernsehübertragung der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels zu einem festen Ritual. Eine flüchtige persönliche Begegnung mit Hannah Arendt und die Teilnahme an einer Pressekonferenz mit Salman Rushdie zählten zu Deinen kostbarsten Erinnerungen.
Unermüdlich verfolgtest Du Kultursendungen im Radio und Fernsehen, machtest Dir in Deiner kleinen, oft schwer entzifferbaren Schrift Notizen. Nicht selten bist Du mit diesen Zetteln direkt zu Deiner Lieblingsbuchhandlung, dem Buchladen Ostertor, gegangen, um die genannten Titel zu besorgen.
Vor allem aber warst Du die Erstleserin des Festivals globale°. Fast jede Woche brachte ich Dir Rezensionsexemplare neuer Bücher vom deutschen Markt. Manche legtest Du nach wenigen Seiten beiseite, andere hast Du mehrfach gelesen. Dein Urteil war stets klar, präzise und von großer Bedeutung für das Festivalprogramm.
All das wird uns fehlen.
Die Kopenhagen-Trilogie im Theater Bremen haben wir leider nicht mehr zusammen geschafft. Doch Dein vietnamesischer Wasserbüffel aus Holz darf künftig in einem jungen Prager Puppentheater mitspielen. Ich bin sicher, das hätte Dir gefallen.
Libuše Černá
6.1.2026
