28.10. Heike Geißler, 18.00 Uhr

Michaela Kohlhaas

“Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder.” So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem Unrecht blutige Vergeltung übt. Sein Rachefeldzug ist noch zweihundert Jahre später Vorbild und Handlungsanweisung für Michaela Kohlhaas, eine stellvertretende Friedhofsverwalterin. Befeuert von erfahrener Willkür und Ohnmacht, wird sie zur Aufsässigen. Doch wo Michael Kohlhaas mordet und brandschatzt, agiert sie vorrangig mit Worten: mit Zuspitzung, Übertreibung, Sabotage und Show. Einer vermeintlichen Hexe gleich, zieht sie fluchend und Verwünschungen aussprechend durchs Land. Und muss feststellen: Es ist von Nachteil, eine Frau zu sein. Es ist von Nachteil, sich zu wehren. Doch selbst wenn alle Welt sie für wahnsinnig erklärt – sie geht “mit wehenden Fahnen” ihrem Ende entgegen, auf ein gutes Ende hoffend, und doch ahnend: Ein solches Ende wird es vielleicht nicht geben. Heike Geißlers Michaela Kohlhaas ist eine tollkühne Überschreibung der berühmten Novelle von Heinrich von Kleist. Ihre Michaela ist eine Schimpfende, eine Stinkende, eine Zärtliche. Eine große Liebende, die nicht bloß Verbesserung will – sie verlangt Wiedergutmachung und Sühne. Und eine gänzlich andere Einrichtung der Welt.


In Kooperation mit der Arbeitnehmerkammer Bremen

Moderation: Svenja Reiner

Suhrkamp, 2026

Arbeitnehmerkammer Bremen
Bürgerstraße 1
28195 Bremen

Heike Geißler

°1977 in Riesa wuchs in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) auf und lebt heute in Leipzig. Auf ihre erste Romanveröffentlichung Rosa (2002) folgten viele weitere und auch viele Auszeichnungen. Zuletzt gewann Heike Geißler den Sächsischen Literaturpreis (2026). Sie ist Mitherausgeberin der Heftreihe Lücken kann man lesen und war u.a. als Gastdozentin an der Kunsthochschule Kassel und am Institut für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien tätig.
Info Autor*in

Foto: (c) Heike Steinweg

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