Jeanette-Schocken-Preis für Ronya Othmann

Wir gratulieren Ronya Othmann herzlich zum Jeanette-Schocken-Preis – Bremerhavener Bürgerpreis für Literatur.

Aus der Begründung der Jury:

„In ihrem dokumentarischen Roman „Vierundsiebzig“ schreibt die 1993 in München geborene Autorin über den Genozid an den Jesiden durch den Islamischen Staat. In einer ebenso beeindruckenden wie schockierenden Recherche untersucht sie den ,74. Ferman’, das 74. Massaker an den Jesiden am 3. August 2014.

Die Tochter eines kurdisch-jesidischen Vaters reist in die Türkei und in den Nordirak, spricht mit den Menschen und beschreibt die Landschaft, denkt dabei fortwährend über das eigene Schreibverfahren und die Tücken der Sprache und der Erinnerung nach – und begreift, wie eng ihre eigene Geschichte mit der Geschichte der Jesiden verbunden ist. Und so, wie der IS mit seinen Verbrechen zugleich versucht, die jesidische Kultur zu vernichten, steigt Ronya Othmann in Archive und rekonstruiert die historischen Zusammenhänge des Genozids, um genau diese Geschichte für die Nachwelt festzuhalten.

Auch in ihrem Roman „Die Sommer“ und in ihren Gedichten, Essays und politischen Kommentaren deckt sie historische Verfälschungen und ideologische Widersprüche auf und forscht der Geschichte von Gewalt und Vernichtung nach. Dabei macht Ronya Othmann die Suche und den Willen, immer wieder neu anzusetzen, zu Prinzipien ihres Schreibens und zeigt so, was Erinnerungsarbeit wirklich leisten kann.“

Othmann bei der globale° 2021, Foto: Matej Meza